Tatort: Tod aus Afrika (ORF)

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Fußballfreier Sonntag: Zum Gefallen derer, die sich für Klagenfurt nicht die Bohne interessieren, und die gibt es, durchaus, auch unter meinen liebsten Lesern und Innen, gleite ich nun wieder in den gewohnten Rhythmus aus Tatort, Befindlichkeit, und - schon nächste Woche - Anderswoberichten. Wenn der Tatort sich nicht über mein neues anderswoisches ADSL empfangen lässt - forfait, was heißt flatrate -, setze ich also direkt wieder aus. Aber möglicherweise geht ja auch der Tatort in die Sommerpause. Wenn die Voisine, die werte Mongoliere, ja nur eine größere Schüssel auf ihr Dach gesetzt hätte! Wir aber dürfen ein ganz Kerner- und Beckmannfreies Endspiel schauen, Allez les Bleus!!!!

Heute Abend alleine mit Wein und Erdbeeren, ich halte den Erdbeerpegel bis zur Abfahrt, denn der Obstbauer anderswo kann zwar Aprikosen, Pfirsiche und Melonen, Kirschen schonvorbei, aber in Erdbeeren, Verzeihung, in Erdbeeren ist er anders als der Rheinische Vorgebirgsbauer, inkompetent. Ich muss auch nicht teilen, denn Tini bleibt heute zu Hause, Alt und Bariton sind schon verreist, sie treffe ich in zwei Wochen in Anderswo wieder.

Axtmorde im Wald, viele Afrikaner, das machen sonst die Ikeas, die Sonntags die zweite Runde im Zweiten bedienen, Wallander, Beck und Konsorten. Wallander vor allem. Der Dolmetscher ist zu wichtig, der hat was mit der Sache zu tun. Bestimmt. Berühmter Schauspieler?

Tochtergeschichten auch mal wieder, Kommissarstöchter müssen irgendeine dramaturgische Bedeutung haben, die sich mir noch nicht erschließt. Die Wirtin im Tiroler Asylantengasthof ist schwanger, ihr Mann ist Deutscher, das Kind vielleicht schwärzer als es soll? Der schwarze Junge (Dolmetscher: "Der ist kein Kind.")sitzt bei der Tiroler Oma am Tisch. Er hat ein Bild gemalt, das an "Es geschah am hellichten Tage" erinnert.

Der Deutsche beutet sie bestimmt aus, die armen Ausländer. Dann muss es kein Österreicher tun. Die Bergdoktortochter hat so Stiefel, wie der Eins sie auch mal hatte. Für durch den Tiroler Wald zu stapfen sind sie ja in Ordnung. Für Autospiegel abzutreten nicht. Das naseweise Töchterchen (das mir so unsympathisch ist wie die Worte "naseweis" und "Töchterchen") spielt Detektiv und müsste deshalb folgerichtig noch in ernste Gefahr geraten.

Um 20.41 Uhr habe ich noch keine Idee, wer der Täter sein könnte, das ist positiv.

"Eisner quartiert sich im ehemaligen Gasthof von Frieda Jordan (Ruth Drexel) ein, der inzwischen als Asylantenwohnheim genutzt wird. Doch bei den dort untergebrachten Afrikanern, Tschetschenen und Kosovo-Albanern stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Auch die alte Wirtin, ihre schwangere Tochter Ingrid (Carmen Gratl) und ihr windiger Schwiegersohn Klaus (Andreas Patton) wollen keine Ahnung haben, wer oder was hinter dem brutalen Mord stecken könnte."(Programmhinweis)

"windiger Schwiegersohn", das ist doch Edgar-Wallace-Poesie.

Huch, der windige Schwiegersohn hat eine nagelneue Axt. Mist, Eisner hat's auch gemerkt. Geklaut, harhar, die alte Axt. Führt nicht weiter.

Der Tiroler mit dem Pullunder und dem hübsch beigebraungemusterten Sofa will der bildhübschen Afrikanerin naturgemäß an die Wäsche.

Auch das töchterliche Nasenpiercing ähnelt dem des Eins. Sie kommt trotzdem irgendwie anmutiger rüber. Haben Mädchen es doch leichter?

Die Musik ist eher so Geräusch, Klänge von kultureller Unbestimmtheit. Schön gesagt, was? Für Tschetschenen, Albaner und verschiedene Afrikaner.

Viel Schweigen, die könnten sich doch auf Afrikanisch, Französisch, Tschetschenisch oder Albanisch unterhalten. Wenn sie dann doch damit anfangen, beginnen sie sofort, sich zu prügeln, die Tschetschenen. Das ist alles so trübsinnig, dass es wirklich von Wallander sein könnte. Oder einem beliebigen anderen Schweden. Dunkle Wälder, seltsame Riten (Voodoo?), süß, jetzt mehlt sich der Junge in Ekstase, und das Töchterchen schaut zu.

Am Bekanntheitsgrad gemessen, müsste Ruth Drexel die Mörderin sein, aber. Sie hat einen Ofen mit Ofenringen wie meine Oma. Vielleicht wird noch jemand mit einem Schürhaken derschlogn.

Wer war denn jetzt der Mensch, der mit dem Kopf im Autofenster hing? Ich tappe jetzt nicht in die "sehen-alle-gleich-aus"-Falle, sondern werfe der Regie schlechte Ausleuchtung des Dolmetschers vor. Der kam mir übrigens von Anfang an verdächtig vor. Wenn ich das hier seriös machen will, sollte ich nicht gleichzeitig Blogs lesen, in einer schläfrigen Chatte hängen und mich mit Erdbeeren und süßem kühlen Moselkabinett versorgen.

Die Musik wird im Verlauf der Tragiksteigerung (Ruth Drexel macht sich Sorgen) immer spätromantischer, jetzt eindeutig westeuropäisch. Aus Komponierhäuschen. Der Bua ist tot. Musik ist aus.

Ok, eine Bürgerkriegsgeschichte, sehr tragisch, aber ich find's zu fett für einen Tatort, mir sind schlichte Markthallenmorde lieber. Die Themen werden überhaupt immer fetter. Der Bua war ein Kindersoldsat, ein mörderischer.

Ich hab das schon mal gesehen in einem schwedischen Krimi, aber das war weder Wallander noch Beck. Ein Zwei- oder Dreiteiler. Definitiv ein Plagiat.

Oh, Ruth Drexel rettet das naseweise Töchterchen, indem sie sich vom gedungenen Mörder entführen lässt, das hält doch nur auf, wir wissen doch sowieso schon alles, aber es sind noch sechs Minuten zu spielen sie müssen noch sechs Minuten rausschinden, die hätten sie vorher noch für ein paar Mehlrituale benutzen können.

Es wird ausreichend geschossen, und ein zünftiger Axtmord ist ja auch nicht zu verachten.

Na gut, ein schöner Gebirgs-Autounfall in der 87.sten Minute kurz vor Schluss auch nicht. Ruth Drexel greift dem Mörder ins Lenkrad, und auch, wenn es dramaturgisch Blödsinn ist, war es doch eine schöne Gelegenheit, nochmal Blut fließen zu lassen. Dann wird noch gepeitscht, hach, diese Wilden, das SEK greift ein, Ruth Drexel hat überlebt, die Tochter lässt sich scheiden und das Töchterchen bringt Blumen. Keine Nachspielzeit.

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